Die Bedeutung der Solidarökonomie für die Entwicklung des ökologischen Landbaus in Europa früher und heute

Solidarökonomie
Karottenernte auf dem Kattendorferhof in Deutschland. Photo: Martin Egbert

Hintergrund

Der biologische Landbau gilt unbestritten als eine vielversprechende Alternative für die notwendige Ökologisierung der gegenwärtig nicht nachhaltigen Ernährungssysteme. Doch im Vergleich zu dieser Erkenntnis und der stark gestiegenen Anerkennung des biologischen Landbaus liegt die reale Bedeutung des Biolandbaus noch weit hinter seinen Potenzialen zurück. Die Verbindung von Solidarökonomie mit Biolandbau ist eine mögliche Strategie, welche einen wesentlichen Beitrag zur Herausbildung eines neuen nachhaltigen Entwicklungspfads im Ernährungssektor darstellen könnte. Solidarökonomische landwirtschaftliche Initiativen, wie z.B. die Vertragslandwirtschaft, setzen auf zirkuläre Wirtschaftskreisläufe, direkte Partnerschaft von Produzenten und Konsumenten, kostendeckende, faire Preise und bevorzugen ökologische Produktionsmethoden. Die Akteure solidarökonomischer Initiativen streben mit dieser anderen Produktions- und Konsumlogik eine Transformation des aktuellen Ernährungssystems in Richtung Nachhaltigkeit an.

Ziele

In diesem Projekt soll die Verbindung zwischen Biolandbau und Solidarökonomie als neues, zukunftsweisendes Modell besser verstanden und analysiert werden, um es so der systematischen Förderung zugänglich zu machen. Wir untersuchen, inwiefern solidarökonomische landwirtschaftliche Initiativen in der Schweiz und ihren Nachbarländern Frankreich, Deutschland, Österreich und Italien als neue Förder- und Wachstumsmöglichkeiten des Biolandbaus wirken können. Dabei soll aufgezeigt werden, wo die Möglichkeiten und Grenzen des Biolandbaus in Bezug auf die Entwicklung von neuen, assoziativ und kooperativ orientierten Wirtschaftsformen liegen. Aufgrund der Forschungsresultate soll schliesslich ein Massnahmenkatalog entwickelt und zur Diskussion gestellt werden, welcher Wege für die Förderung solidarökonomischer, biologischer Initiativen in politischer, wirtschaftlicher, sozialer und finanzieller Hinsicht aufzeigt.

Solidarökonomie
Zwiebelernte bei der Cooperativa Valli Unite in Italien. Photo: Cooperativa Valli Unite

Netzwerkplattform

Das stark transdisziplinäre Projekt strebt durch Bildung einer transnationalen Netzwerkplattform eine interaktive Integration des Fachwissens von Akteuren im Bereich Solidarökonomie und Biolandbau aus Praxis, Politik und Forschung an. Die Plattform soll den Dialog und Erfahrungsaustausch über Landes-, Sprach- und Kulturgrenzen hinweg verstärken und einen pro-aktiven Wissenstransfer zwischen Biolandbau und Solidarlandwirtschaft ermöglichen. Insgesamt beteiligen sich 28 verschiedene Institutionen und Akteure an der Plattform und den drei, über die Projektzeit verteilten, Workshops.

Finanzierung: Stiftung Mercator Schweiz

Projektdauer: 1.1.2016 – 31.12.2018

Projekt Webseite (auf Deutsch): www.solidarisch-biologisch.unibe.ch
Projekt Webseite (auf Französisch): www.solidaire-biologique.unibe.ch

Am 30. Juni 2016 fand mit der Durchführung eines Kick-off Workshops das erste Treffen der transnationalen Plattform auf dem Biohof Zaugg in Iffwil bei Bern statt. Ziele dieses Treffens waren ein erstes gegenseitiges Kennenlernen, das gemeinsame Identifizieren von Problemen und Chancen der biologischen und solidarökonomisch ausgerichteten Landwirtschaft sowie Diskussionen zum möglichen Anpassungsbedarf der bereits entwickelten Forschungsfragen zu führen. Videos zu Referaten im Rahmen des Workshops können Sie über untenstehenden links einsehen. Weitere Informationen zum Workshop finden sich im Workshopbericht.

Link zu den Projektvideos

Workshop-Bericht (Deutsch) (PDF, 1.4 MB)

Rapport d'atelier (Français) (PDF, 1.4 MB)

Forschungsteam

Centre for Development and Environment:

  • Prof. Dr Stephan Rist (Projektmanagement)
  • Bettina Scharrer, lic. phil. hist. (Projektkoordinatorin)
  • Sibylle Berger (Projektassistenz)

Archiv für Agrargeschichte:

  • Dr. Peter Moser