Klimaresistente Kakao-Landschaften in Madagaskar

Landscape in the Haut Sambirano, Madagascar
Landschaft im Haut Sambirano, Madagaskar. Foto: O. Ravaka Andriamihaja


Madagaskar produziert zwar weniger als 0,2 Prozent des weltweiten Kakaos, aber was es produziert, wird von Schokoladenhändlern und -kennerinnen in aller Welt geschätzt. Rund 10'000 Haushalte bauen im Sambirano-Wassereinzugsgebiet im Nordwesten des Landes fast den gesamten Kakao Madagaskars an – auf Kleinfarmen von 0,5-1,5 Hektar. Düngemittel oder Agrochemikalien kommen dabei kaum zum Einsatz.

Die Landschaft des Sambirano-Tals wird von Bergen mit tropischen Wäldern begrenzt, die eine aussergewöhnliche Artenvielfalt aufweisen. Die Tatsache, dass sich die Bäuerinnen und Bauern vor Ort auf traditionelle Anbaumethoden und minimale Betriebsmittel stützen, trägt zusammen mit dem vielfältigen lokalen Ökosystem dazu bei, dass der Kakao sein einzigartiges, hoch geschätztes Geschmacksprofil erhält.

Zunehmende Herausforderungen

Trotz der vielen Pluspunkte ist die Kakaoanbauregion Sambirano mit Herausforderungen konfrontiert. Die Westküste von Madagaskar ist von schweren Wirbelstürmen bedroht, die sich wegen des Klimawandels verschärfen. Neben anderen Folgen verändern diese Wirbelstürme häufig den Flusslauf des Sambirano und führen zu Überschwemmungen, die dazu führen, dass Salzwasser in die erstklassigen Kakaoanbaugebiete eindringt. Deshalb müssen zum Teil Dörfer umgesiedelt werden – und die betroffenen Landwirt*innen sehen sich veranlasst, die Nutzung von Wäldern, Agroforstwirtschaft, Reisfeldern, etc. zu ändern, um ihren Lebensunterhalt zu sichern.  

Zusammen mit der durch das Bevölkerungswachstum bedingten Holzkohleproduktion führt dies in der gesamten Region zur Abholzung wertvoller Gebiete mit grosser biologischer Vielfalt, zu steigenden Treibhausgasemissionen und anderen Umweltschäden wie Bodenverlust.

Ein Landschafts-Ansatz für Nachhaltigkeit

Für die Schwierigkeiten, mit denen die Region konfrontiert ist, gibt es kein Patentrezept. Allein: Die bisherige Projektarbeit im Sambirano-Wassereinzugsgebiet zeigt, dass es eine kontextuell differenzierte Antwort braucht, um die konkurrierenden Interessen und sich überschneidenden Krisen, die die Umwelt und die Lebensgrundlagen der Menschen bedrohen, auszugleichen.

Aufbauend auf den Erfolgen der ersten Arbeiten in diesem Gebiet zielt das aktuelle Projekt darauf ab, die lokalen Interessengruppen in die Entwicklung einer nachhaltig bewirtschafteten Landschaft im Sambirano-Tal einzubinden. Ziele des Projekts sind vor allem:

  1. Die Ökosystemfunktionen der Landschaft durch einen geeigneten Mix aus Interventionen inner- und ausserhalb der landwirtschaftlichen Betriebe zu erhalten
  2. Die fortschreitende Abholzung und den Verlust an Boden- und Wasserspeicherfähigkeit in der Schwerpunktzone zu stoppen
  3. Die Lebensbedingungen der Kakaobäuerinnen und -bauern durch diversifizierte Einkommen und sichere Landrechte zu verbessern
  4. Anreize zu schaffen, mit denen sich nachhaltig bewirtschaftete Kakaoplantagen erhalten lassen.

Um diese allgemeinen Projektziele zu erreichen, ist die Zusammenarbeit mit lokalen, regionalen, nationalen und internationalen Akteuren auf der Ebene von landwirtschaftlichen Betrieben und Landschaften nötig. Die Massnahmen des Projekts basieren auf den folgenden, sich gegenseitig verstärkenden Ergebnissen:

Erstens unterstützt das Projekt auf Landschaftsebene eine Reihe von Massnahmen, um wichtige Ökosystemleistungen wie Bodenfruchtbarkeit und Wasserretention zu erhalten. Dazu werden die Management- und Verwaltungskapazitäten der lokalen Landschaftspflege, dem Comité de Gestion de Bassin Versant Sambirano COGEBS, gestärkt. Weiter sollen Beratungsstellen in jeder Gemeinde eingerichtet werden, die die Beteiligung der lokalen Bevölkerung an der Entscheidfindung erleichtern.

Zweitens unterstützt das Projekt auf Ebene der landwirtschaftlichen Betriebe die Akzeptanz und Beibehaltung des agroforstlichen Kakaoanbaus, den Schutz ihrer Landrechte sowie ihre Integration in die Wertschöpfungsketten.

Rolle des CDE

Neben gemeinsamen Projektaktivitäten mit dem Projektträger Helvetas Swiss Intercooperation sowie verschiedenen privaten Akteuren des Kakaosektors baut das CDE insbesondere einen Monitoring-, Evaluations- und Lernmechanismus (MEL) auf Landschaftsebene auf. Dieser soll die Entscheidfindung im Sambirano-Wassereinzugsgebiet unterstützen.

Die Datenerhebung wird in Zusammenarbeit mit verschiedenen Interessengruppen entlang der Kakao-Wertschöpfungskette, einschliesslich der Bauernfamilien, durchgeführt. Die Verwendung von Satellitenbildern und geografischen Informationssystemen ermöglicht es, Veränderungen der Landschaft zu beobachten. Der MEL-Mechanismus steuert die Projektaktivitäten im Sinne der Nachhaltigkeit gemeinsam mit lokalen Akteuren – vor allem mit lokalen Bäuerinnen und Bauern, die Kakao in Agroforstsystemen anbauen.

Infobox
Dauer 2023 – 2027
Finanzierung Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO)

Schweizer Plattform für nachhaltigen Kakao

Partner Helvetas Swiss Intercooperation

Lindt & Sprüngli AG, Villars Maître Chocolatier SA, Pronatec AG, Migros, Walter Matter SA, Max Felchlin AG, Touton SA

Kontakt Dr. O. Ravaka Andriamihaja