Die Pyrolyse von Biomasse ist eine vielversprechende und kosteneffiziente Negativemissionstechnologie zur Eindämmung des Klimawandels. Das feste Produkt der Pyrolyse ist Pflanzenkohle. Diese kann in Böden eingebracht werden, wo sie insbesondere in tropischen Gebieten positive Nebeneffekte für die Landwirtschaft hat. Neben Pflanzenkohle entstehen bei der Pyrolyse Öl und Synthesegas, die sich für Energiezwecke nutzen lassen.
Grosses, unerschlossenes Potenzial
Obwohl diese einfache und alte Technik dazu beitragen kann, die globale Erwärmung zu bekämpfen, indem sie Kohlenstoff aus der Luft filtert und für Jahrhunderte im Boden speichert, wird das Potenzial von Pyrolyse und Pflanzenkohle als Nettoemissionstechnologie bei weitem nicht ausgeschöpft: Derzeit macht die Entnahme von CO2 aus der Luft mit Pflanzenkohle nur etwa einen Tausendstel dessen aus, was möglich wäre.
Darüber hinaus könnte der grossflächige Einsatz von Pflanzenkohle auch dazu beitragen, die Lebensbedingungen und die Widerstandsfähigkeit ländlicher Gemeinden in tropischen Gebieten zu verbessern: Denn Pflanzenkohle steigert die Ernteerträge, verringert die Aufnahme von Schadstoffen durch Pflanzen, verbessert die Bodengesundheit und kann neue Einnahmequellen wie Emissionszertifikate erschliessen.
Hindernisse bei der Verbreitung von Pflanzenkohle
Pilotprojekte mit Pyrolyse in den Tropen haben vielversprechende Ergebnisse gezeigt. Die Verbreitung von Pflanzenkohle ist jedoch wegen Hindernissen wie begrenzten Ressourcen für Landwirt*innen, dem Fehlen eines stabilen Rechtsrahmens und Unsicherheiten in Bezug auf Besitz-, Pacht- und Nutzungsrechte sowie geistiges Eigentum nach wie vor gering.
Es braucht daher Forschungsarbeiten, die mit einer soziotechnischen Perspektive sozial tragfähige Ansätze entwickeln, um die nachhaltige Verbreitung von Pflanzenkohle zu beschleunigen.
Projektziele und Forschungsdesign
Das Ziel von PyroScale ist es, Wissen zu generieren, das politische Entscheidungsträgerinnen und Praktiker nutzen können, um Pyrolyse-/Pflanzenkohleprojekte erfolgreich zu skalieren. Deshalb konzentriert sich das Forschungsprojekt auf die Frage: Was sind soziotechnische Erfolgsfaktoren und tragfähige Wege für eine nachhaltige Skalierung?
Das Projekt besteht aus folgenden Komponenten:
- Analyse von rund 40 aktuellen und früheren Pyrolyse-/Pflanzenkohleprojekten in Burkina Faso, Vietnam und Jordanien im Hinblick auf die soziotechnischen Faktoren, die für eine erfolgreiche Skalierung notwendig und/oder ausreichend sind;
- Detaillierte Analyse eines erfolgreichen Projekts, um herauszufinden, welche kausalen Mechanismen hinter den Erfolgsfaktoren für die Skalierung stehen;
- Co-Design von Strategien zur Ausweitung zweier Pflanzenkohleprojekte, bei denen diese bislang noch nicht gelungen ist.
Schliesslich nehmen die Forschenden eine vergleichende Bewertung von Mustern und Massnahmen vor, die sich in verschiedenen Kontexten als wirksam und robust erwiesen haben. Best Practices werden über verschiedene relevante Kanäle verbreitet, zum Beispiel über WOCATs globale Datenbank zur nachhaltigen Landbewirtschaftung.
Über die Verbreitung der Projektergebnisse erhalten internationale Organisationen und NGOs wichtige Erkenntnisse, um die internationale Kooperation im Bereich Pyrolyse/Pflanzenkohle wirkungsvoller gestalten zu können.