RECARE: Nach Lösungen zum Schutz unserer Böden suchen

Soil compaction
Bodenverdichtung entsteht beispielsweise durch den Einsatz von sehr schweren Maschinen bei ungünstigen (feuchten) Bodenverhältnissen. Photo: RECARE Photo: RECARE

Aufgrund des Klimawandels und zunehmender menschlicher Aktivitäten sind Böden derzeit durch eine Vielzahl von Prozessen wie Bodenerosion, Verdichtung, Desertifikation, Versiegelung und Verschmutzung einer wachsenden Gefährdung ausgesetzt. Zum Erhalt ihrer natürlichen Funktionen und der damit verbundenen Dienstleistungen – beispielsweise der Produktion von Nahrungsmitteln, der Speicherung und Reinigung von Wasser oder der Bindung von Kohlenstoff und Nährstoffen – müssen Böden angemessen geschützt werden. Im RECARE Projekt haben sich 27 Insitutionen zu einem multidisziplinären Team zusammengeschlossen, um gemeinsam die aktuelle Gefährdung von Böden einzuschätzen und innovative Lösungen zur Prävention weiterer Bodendegradation in Europa zu finden.

soil sealing
Böden sind derzeit durch Bodenerosion, Verdichtung, Desertifikation, Versiegelung und Verschmutzung einer wachsenden Gefährdung ausgesetzt. Photo: RECARE

Partizipatives Entwickeln und Überprüfen von Bodenschutzmassnahmen

Lösungsansätze für eine nachhaltige Bodennutzung können nur dann erfolgreich identifiziert, entwickelt, umgesetzt und evaluiert werden, wenn die vielfältigen Bedürfnisse der verschiedenen Akteure berücksichtigt werden. Das Ziel der CDE Aktivitäten im RECARE Projekt ist es, Plattformen zur Förderung des Wissensaustausches und gemeinsamen Lernens zwischen verschiedenen Akteuren aus Praxis und Wissenschaft zu schaffen. Die Akteure sollen während der gesamten Projektdauer - unter anderem in Form von Workshops - miteinbezogen werden. Auf der Basis dieses Wissens entwickelt das CDE mit seinen Forschungspartnern eine universell anwendbare Methodik zur Beurteilung des Einflusses von Bodendegradation sowie zur Bewertung nachhaltiger Bodennutzung auf Bodenfunktionen und Ökosystemleistungen.

soil functions ecosystem services
Stakeholderworkshop im Feld in Valencia, Spanien. Photo: Gudrun Schwilch

Auswirkungen auf Bodenfunktionen und Ökosystemleistungen

Die Böden üben wichtige Funktionen aus, wie zum Beispiel die Regulierung und Speicherung von Wasser und Nährstoffen, die Funktion als Lebensraum und Baugrundlage, die Produktion von Biomasse oder natur- und kulturgeschichtliche Funktionen. Diese Funktionen ermöglichen das Erbringen von Leistungen – den Ökosystemleistungen – welche einen direkten Nutzen haben und deshalb auch einen Wert. Dieser Wert kann aber je nach Nutzung sehr unterschiedlich sein und wird von den verschiedenen Nutzern auch verschieden gewichtet. Während zum Beispiel für ein Landwirt die Bodenfruchtbarkeit zentral ist, interessiert sich der Gemeindeangestellte eher für einen gut funktionierenden Wasserabfluss mit möglichst wenig Bodenabtrag in die Kanalisation.

soil conservation measures
Bewertung von Bodenschutzmassnahmen in Portugal. Photo: Gudrun Schwilch

Methodenentwicklung zur Bewertung von Ökosystemleistungen

Das CDE entwickelt eine Methodik, um Bodenfunktionen und Ökosystemleistungen zu messen und zu bewerten. Dabei geht es vor allem darum, die Auswirkungen der Bodendegradation wie auch die Veränderungen durch Bodenschutzmassnahmen sichtbar zu machen, um die verschiedenen Massnahmen vergleichen und deren Wirksamkeit quantifizieren zu können. Die Methodik wird nicht nur auf ökonomische und monetäre Methoden bauen, sondern auch auf alternative Methoden, die eine breitere Berücksichtigung sozialer und ökologischer Aspekte erlauben – zum Beispiel indem Nutzer ihre Präferenzen für kulturelle Ökosystemleistungen angeben können, ohne deren wirtschaftlichen Wert beziffern zu müssen. Die Methodik muss so einfach und verständlich sein, dass sie in Workshops zusammen mit den Akteuren durchgeführt werden kann.

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Erosionsrinne in der Region Frienisberg. Photo: Volker Prasuhn

Die RECARE Fallbeispiele

Bodendegradation wird durch biophysische, sozioökonomische und politische Faktoren verursacht, die ortsspezifisch stark variieren. Um die unterschiedlichen Bedingungen innerhalb von Europa zu berücksichtigen und angemessene Lösungsansätze zum Schutz der Böden zu suchen, wurden für das RECARE Projekt insgesamt 17 Fallbeispiele ausgewählt. Das CDE ist zuständig für eine der 17 Untersuchungsgebiete, nämlich die Region Frienisberg, und der Umsetzung der Projektaktivitäten in dieser Region.

Maize strip tillage
Die Streifenfrässaat ist eine pfluglose Anbautechnik, bei welcher der Boden nur in der Umgebung der Saatreihen bearbeitet wird. Photo: Volker Prasuhn

Bodenerosion durch Wasser in der Region Frienisberg

Die Frienisberg Region ist ein hügeliges landwirtschaftlich genütztes Gebiet nördlich von Bern im Schweizer Mittelland. Nach Niederschlagsereignissen kommt es auf Ackerflächen in Hanglagen immer wieder zu Bodenerosion. Auch wenn die mittlere jährliche Bodenerosionsrate in der Region mit 0.75 t/ha relativ gering ist, so wurden auf einzelnen Feldern Bodenverluste von bis zu 96 t/Jahr beobachtet. Kartierungen haben gezeigt, dass Bodenverluste hauptsächlich im Winterhalbjahr und auf Feldern mit Winterweizen stattfinden. Doch auch im Sommerhalbjahr können Starkniederschläge auf Kartoffel-, Mais- oder Zuckerrübenfelder zu hohen Bodenverlusten führen. Neben den Schäden auf den Ackerflächen durch die Bodenverluste enstehen auch Schäden an Kanalisation, Strassen und Gebäuden. Sie verursachen hohe Kosten für die Gesellschaft. Lösungsansätze für eine nachhaltige Bodennutzung sind nur dann erfolgreich, wenn die Bedürfnisse der verschiedenen Akteure berücksichtigt werden. Deshalb werden Bauernfamilien, Versicherungen, Gemeindevertreter, Gewässerexperten, landwirtschaftliche Beratungsstellen, Lohnunternehmer und Forschungsinstitutionen im Projekt miteinbezogen.

Projektresultate

Der Einfluss des Lochsterns auf Erosion und Staunässe im konventionellen Kartoffelanbau – ein Feldversuch in der Region Frienisberg

Weitere Projektresultate werden auf der offiziellen RECARE Projektseite verbreitet. Das RECARE Projekt kann auf via Twitter (@RECARE_EU) und Vimeo verfolgt werden.

Projektdauer: 1. November 2013 bis 31. Oktober 2018

Im RECARE Projekt haben sich 27 Insitutionen zu einem multidisziplinären Team zusammengeschlossen, um gemeinsam die aktuelle Gefährdung von Böden einzuschätzen und innovative Lösungen zur Prävention weiterer Bodendegradation in Europa zu finden.

Weitere Informationen zu den Partnern: http://www.recare-hub.eu