Solidarökonomie und ökologischer Landbau

Solidarökonomie
Karottenernte auf dem Kattendorferhof in Deutschland. Foto: Martin Egbert


Der biologische Landbau gilt als eine vielversprechende Alternative zur notwendigen Ökologisierung der nicht nachhaltigen Ernährungssysteme in den Industriegesellschaften. Doch im Vergleich zu dieser Erkenntnis und der in den letzten Jahrzehnten in der Öffentlichkeit stark gestiegenen Anerkennung des ökologischen Potenzials des biologischen Landbaus blieb seine reale Bedeutung relativ bescheiden.

Parallel dazu entstanden in den letzten Jahrzehnten zahlreiche solidarökonomische Formen der Landwirtschaft. Besonders vielversprechend sind dabei genossenschaftliche organisierte Projekte, insbesondere in Italien und Frankreich verbreitet, aber auch verschiedene Ausprägungen der Community Supported Agriculture, in der Schweiz bekannt als regionale Vertragslandwirtschaft. Diese Initiativen setzen auf zirkuläre Wirtschaftskreisläufe, ökologische Produktionsweisen, Kooperationen unter Produzent*innen, direkte Partnerschaften zwischen Produzentinnen und Konsumenten sowie auf kostendeckende Preise. Die Akteure solidarökonomischer Initiativen streben mit dieser «anderen» Produktions- und Konsumlogik eine Transformation des Ernährungssystems in Richtung Nachhaltigkeit an.

Forschungsansatz

Das Projekt untersuchte transnational und transdisziplinär, inwiefern solidarökonomische landwirtschaftliche Initiativen in der Schweiz und ihren Nachbarländern Frankreich, Deutschland, Österreich und Italien als neue Förder- und Wachstumsmöglichkeiten des Biolandbaus wirken können. Dabei wurde aufgezeigt, wo die Möglichkeiten und Grenzen des Biolandbaus in Bezug auf die Entwicklung von neuen, assoziativ und kooperativ orientierten Wirtschaftsformen liegen, die als solche – weit über den Biolandbau hinaus – zentrale Problembereiche für die nachhaltige Erneuerung der aktuellen Ernährungssysteme darstellen.

  • Wie stark sind solidarökonomische Biolandbauinitiativen in der Landwirtschaft in der Schweiz und in den Nachbarländern verbreitet? Wie sind sie organisiert, in welchen Regionen gewinnen sie besonders stark an Boden und wo haben sie es schwer, Fuss zu fassen?
     
  • Welches sind die häufigsten Ursachen und Auslöser für die Entstehung von solidarökonomischen Initiativen und mit welchen Schlüsselproblemen haben sie von der Gründung bis zur Konsolidierung ihrer Organisation zu kämpfen?
     
  • Welche Bedeutung hatten Elemente der Solidarökonomie in der Entstehung und Verbreitung des Biolandbaus in früheren Entwicklungsphasen? Inwiefern beeinflussen diese Elemente allenfalls heute noch die Motivation für das Engagement in solidarökonomischen Biolandbauinitiativen?
  • Was sind die Gründe und Motivationen für das Engagement in solidarökonomischen Biolandbauinitiativen und welche Werte und Nachhaltigkeitsvorstellungen verbinden Produzentinnen, Verarbeiter und Konsumentinnen damit?
  • Wie wirken sich agrarpolitische Rahmenbedingungen auf die Förderung oder Behinderung von solidarökonomischen Biolandbauinitiativen aus?
     
  • Welche Veränderungen braucht es in der Agrarpolitik, der öffentlichen Verwaltung, der land- und betriebswirtschaftlichen Beratung, spezialisierten Wirtschaftsverbänden und Unternehmen, der praxisorientierten Forschung und bei den Konsumentenorganisationen, damit die solidarökonomischen Biolandbauinitiativen ihr volles Potenzial entwickeln können?
     
  • Wie können sich die Akteure der Biolandbaubewegung besser untereinander vernetzen und ihre Schlagkraft bei der Entwicklung von Allianzen mit privaten und staatlichen Akteuren so erhöhen, dass sie die notwendigen Veränderungen auf der Ebene von Politik, Wirtschaft und Praxis pro-aktiv und effizient mitgestalten können?
Solidarökonomie
Zwiebelernte bei der Cooperativa Valli Unite in Italien. Foto: Cooperativa Valli Unite

Wichtigste Resultate

Der Film gibt einen Einblick in die Forschungsresultate und portraitiert vier Best Practice Beispiele aus der Schweiz und Frankreich. Diese zeigen, wie solidarökomische Strategien in Landwirtschaft, Verarbeitung und Handel durch den Aufbau alternativer Wertschöpfungsketten dazu beitragen, das heute nicht nachhaltige Ernährungssystem zu transformieren.

Solidarökonomie - eine andere Wirtschaftsform für ein nachhaltiges Ernährungssystem 

L'économie solidaire – une autre forme d'économie pour un système alimentaire durable?

Economia solidale – un'altra forma di economia per un sistema alimentare sostenibile?

Das Projekt hat mit der transnationalen und transdisziplinären Netzwerkplattform eine interaktive Integration des Wissens- und Erfahrungshorizonts von Akteuren im Bereich Solidarökonomie und Biolandbau aus Praxis, Politik und Forschung ermöglicht. Ziel war es, damit die gemeinsame Produktion von Wissen und den Austausch des sich rasch entwickelnden Erfahrungswissens um solidarökonomische und biologische Landwirtschaft zu unterstützen und zu fördern. Die Plattform förderte den Dialog und Erfahrungsaustausch über Landes-, Sprach- und Kulturgrenzen hinweg. Insgesamt beteiligten sich 29 verschiedene Institutionen und Akteure aus den Bereichen biologischer Landbau und Forschung, solidarökonomische Landwirtschaft und bäuerliche Landwirtschaft an der Plattform und den Workshops.

Beteiligte Partner dieser Plattform waren:

Am 17.September 2021 fand die Abschlusstagung des Forschungsprojekts «Solidarökonomie zur Förderung des ökologischen Landbaus in Europa» statt. Als Highlight der Tagung wurde die Vorpremière des projektbasierten Films «Solidarökonomie – eine andere Wirtschaftsform für ein nachhaltiges Ernährungssystem» gezeigt.

Nach dem Film fand eine Diskussion mit den im Film porträtierten VertreterInnen aus der landwirtschaftlichen Praxis statt. Referate der Projektleiterin Bettina Scharrer und von Susanne Menzel vom Bundesamt für Landwirtschaft vertieften die Thematik und beleuchteten ausgewählte Aspekte, welche spezifisch für die Förderung von oder als Hindernis für solche auf Direktvermarktung ausgerichtete, biologisch, solidarökonomischen Projekte relevant sein können. 

Präsentationen


Aufnahme Input Bettina Scharrer und Diskussion

Publication Year Type
Infobox
Dauer 2016 - 2021
Finanzierung

Stiftung Mercator Schweiz

Partner

Archiv für Agrargeschichte

Praxispartner (siehe Transnationale Plattform)

Kontakt

Bettina Scharrer