Szenarien für ein nachhaltiges Ernährungssystem Schweiz

Konkrete Vorschläge für ein nachhaltiges Ernährungssystem Schweiz erarbeiten: Unter anderem auf der Basis der Kakao-Lieferkette Ecuador-Schweiz. Foto: shutterstock / Rostislav Ageev


Das aktuelle Ernährungssystem der Schweiz schlägt ökologisch, sozial und wirtschaftlich beträchtlich zu Buche – und dies massgeblich ausserhalb der Schweizer Grenzen: Massiver CO2-Ausstoss, Umwelt- und Gesundheitsschäden infolge hoher Pestizideinsätze, Artensterben, ausbeuterische Arbeitsverhältnisse sowie die zunehmende soziale Ungleichheit sind einige der direkten und indirekten Auswirkungen. Unser Ernährungssystem nachhaltig(er) zu machen, ist deshalb ein Gebot der Stunde.

Auf dem Weg dahin gibt es jedoch zahlreiche ethische und politische Konfliktlinien. Zwar hat die Forschung dargelegt, dass Produzentinnen und Konsumenten mehr zusammenspannen müssen, damit die Nachhaltigkeit unseres Ernährungssystems verbessert werden kann. Doch es mangelt an konkretem Wissen, wie sich bestehende Instrumente und Ansätze verbinden und erfolgreich anwenden lassen.

Neuer Brückenschlag zwischen Produzentinnen und Konsumenten

An diesem Punkt – dem fehlenden Transformationswissen – hakt das Projekt «Deliberative diets: Connecting producers and consumers to value the sustainability of Swiss food system scenarios» ein. In einem umfassenden Co-Creation-Prozess mit allen Akteurinnen und Akteuren der landwirtschaftlichen Lieferketten sollen Szenarien für ein nachhaltiges Ernährungssystem und politische Strategien entwickelt werden, die Verbesserungspotenziale und Veränderungsmöglichkeiten des bestehenden Systems ausloten – und sich in der Praxis umsetzen lassen. Damit das gelingt, sind unterschiedliche Gruppen von Verbraucherinnen und Verbraucher aus der Schweiz gefragt, entsprechende Visionen mit zu erarbeiten.

Mandelbäume im Plantagenanbau: Andalusien, Spanien. Foto: shutterstock / javi4x4


Besonders belastete Lieferketten als Ausgangspunkt

Die Grundlagen für Vision und Wege der Umsetzung liefern einerseits ein neu zu entwickelndes Bewertungsmodell, mit dem sich die Nachhaltigkeit des gesamten Ernährungssystems der Schweiz aufschlüsseln lässt. Andererseits sollen konkrete Handlungsoptionen aus detaillierten Untersuchungen zweier landwirtschaftlicher Lieferketten hervorgehen, die sowohl vor Ort wie in der Schweiz hohe Auswirkungen haben: Kakao aus Ecuador und Öl-/Nusspflanzen aus Spanien.

Empfehlungen für die Steuerung von Schweizer Agrar- und Ernährungssystem

Wichtigstes Ziel des Projekts ist es, auf der Basis von aussagekräftigen Ergebnissen politische Empfehlungen für die künftige Steuerung des Schweizer Agrar- und Ernährungssystems zu liefern. Dank des partizipativen und demokratischen Ansatzes versprechen sich die Wissenschaftler*innen relevante und zustimmungsfähige Positionen zu einem Zeitpunkt, an dem die Schweiz konkrete Fortschritte im Sinne der Agenda 2030 verzeichnen muss.

Ernährungssystemen kommt hierbei eine Schlüsselfunktion zu: Sie wirken verstärkend oder hindernd auf zahlreiche andere Nachhaltigkeitsziele wie die Erreichung der Klimaziele, die Steuerung globaler Lieferketten, die Ökologisierung der Landwirtschaft oder die Bekämpfung von Food Waste.

Gemeinsames Lernen und Schaffen von Transformationswissen

Das Projekt ist inter- und transdisziplinär aufgegleist und beinhaltet fünf eng gekoppelte Module:

  1. Bewertung von Agrarökosystemen
  2. eine Multikriterien-Nachhaltigkeitsbewertung
  3. integrierte Modellierung von Lebensmittelsystemen
  4. Co-Creation von Szenarien für nachhaltige Lieferketten
  5. Forschungssynthese und Projektkoordination
Project structure: interacting modules for joint learning and creation of transformation knowledge. The arrows indicate knowledge flows.


Wege zu nachhaltigen Lieferketten

Das CDE leitet Modul 4 und analysiert die beiden Lieferketten Kakao und Öl-/Nusspflanzen aus der Perspektive eines ganzheitlichen Ernährungssystems. Diese Herangehensweise erleichtert es, die Funktionsweise der beiden Lieferketten umfassend zu verstehen, Verhaltensblockaden anzupacken und tragfähige Alternativen zu entwickeln. Das Modul liefert unter anderem folgende Ergebnisse:

  • Verständnis der Dynamiken innerhalb der Lieferketten und ihrer Bedeutung für die verschiedenen Akteure;
  • Voraussetzungen und Hindernisse für ein nachhaltiges Supply Chain Management für die Kakao- und Nuss-/Ölproduktion;
  • Ermittlung der Schlüsselfaktoren, um in zukunftsfähigen Ernährungssystemen die Lieferketten verbessern zu können;
  • Eruieren der gemeinsamen Nachhaltigkeitskriterien für jede der beiden Wertschöpfungsketten
  • realisierbare und relevante Vorschläge, wie sich die beiden Lieferketten aus Sicht der Interessengruppen nachhaltiger gestalten lassen
  • Überblick über umstrittene oder heikle Kriterien