POLTIKEMPFEHLUNGEN
Zentrale Handlungsfelder und Hebel zur Umgestaltung der Ernährungssysteme priorisieren
Städte können Ernährungssysteme umgestalten, indem sie sich auf zentrale Handlungsfelder konzentrieren, in denen sie besonders viel Einfluss und Wirkungspotenzial haben. Dazu gehören 1) öffentliches Beschaffungswesen und Gemeinschaftsverpflegung (z. B. Schulmensen, städtische Kantinen); 2) regionale Wertschöpfung und Direktvermarktung (z. B. lokale Labels, Wochenmärkte); 3) Nachhaltigkeitsförderung in der privaten Gastronomie (z. B. Menüberatung für Restaurants und Hotels); 4) Nutzung von Anbauflächen in Stadtbesitz (z. B. urbane Landwirtschaft, öffentliche Gärten); 5) Sensibilisierung und Bildung (z. B. Bauernhofbesuche für Schulklassen, Informationskampagnen); und 6) Beteiligung der Zivilgesellschaft und Vernetzung (z. B. Ernährungsräte, Startup-Finanzierung). In all diesen Bereichen sollte die Kommunalpolitik darauf abzielen, den Anteil biologisch und lokal angebauter pflanzlicher Lebensmittel zu erhöhen und gleichzeitig Lebensmittelabfälle und lebensmittelbedingte Treibhausgasemissionen zu reduzieren. Freiwillige Massnahmen sollten nach Möglichkeit schrittweise durch verbindliche Vorschriften und Verpflichtungen ersetzt werden.
Konkrete, inklusive Verbesserungen der Lebensqualität für Gemeinschaften schaffen
Die Kommunalpolitik sollte ausserdem ambitionierte Veränderungen fördern, die für ganze Gemeinschaften spürbare Verbesserungen bringen und auch für die Zukunft eine nachhaltige, genussvolle Ernährung sichern. Ein wegweisendes Beispiel ist die Finanzierung und der Aufbau von Infrastruktur- und Logistiknetzwerken für eine dauerhafte Beschaffung, Lieferung und Zubereitung von Bio-Lebensmitteln aus regionaler Landwirtschaft. Dies bedingt langfristige Verpflichtungen und Verträge zwischen kommunalen Einkäufer*innen (z. B. öffentlichen Schulen, Alters- und Pflegeheimen) und nahe gelegenen Produktions- und Verarbeitungsbetrieben (z. B. Bauernhöfen, Käsereien, Bäckereien). Ergänzt werden kann es durch viele weitere, kleinere Massnahmen wie kostenlose städtische Familiengärten, kommunale Programme für Kinder und Familien (z. B. Kochkurse) und Bürger*innenforen, die die Menschen direkt einbinden und Begeisterung wecken. Eine solche Ausweitung des öffentlichen Angebots und Bewusstseins kommt automatisch auch zukunftsorientierten Unternehmen (z. B. Restaurants, Lebensmittelläden) zugute, die bereit sind, die neuen Netzwerke und Impulse zu nutzen.
Nachhaltige Ernährung für alle zugänglich machen – über Nischen hinaus
Die heutige Krise der Ernährungssysteme wird sich weder in Städten noch anderswo lösen lassen, wenn biologische, regionale Lebensmittel ein Nischenmarkt bleiben, der vor allem Besserverdienende, Genussmenschen und Idealist*innen anspricht. Das Ziel muss sein, nachhaltige Lebensmittel zum Standard zu machen – zugänglich, weit verbreitet und für alle eine Selbstverständlichkeit. Städte können hier vorangehen, indem sie alle ihre Massnahmen für eine nachhaltige Ernährung auf gerechten Zugang und Erschwinglichkeit ausrichten. Eine breite Förderung und Etablierung der Bioproduktion beispielsweise dürfte langfristig zu einer Senkung der Konsumpreise für Bio-Lebensmittel führen.