Hans Hurni verstarb am 27. September 2026 im Alter von 75 Jahren. Sein Tod hat in der Geographie und in nationalen und internationalen Kreisen der entwicklungs- und nachhaltigkeitsorientierten Forschung und Praxis Bestürzung ausgelöst. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Praktiker und Praktikerinnen sowie lokale Gemeinschaften aus aller Welt haben ihre Dankbarkeit für sein Werk und sein Wirken ausgedrückt.
“Hans’ immense knowledge, unwavering commitment, and passion for sustainability, natural resources, and the well-being of communities were genuinely inspiring.”
“Through his scholarship, leadership, and mentorship, Hans touched the lives of many and left an enduring mark.”
Hans Hurni studierte Geographie in Bern und schloss 1975 sein Studium ab. Anschliessend erwarb er das Lehramt (1978), promovierte (1980) und habilitierte (1991). In diesen Jahren war sein Lebensmittelpunkt aber nicht Bern, sondern Äthiopien, wo er nach seinem ersten Studienabschluss über zehn Jahre lebte, arbeitete und forschte. Dort legte er den Grundstein für seine Forschungsausrichtung und sein Entwicklungsengagement. Während seiner Arbeit im Simien-Mountains-Nationalpark kristallisierten sich zwei Themen heraus, die seine Karriere prägten: das Spannungsfeld zwischen Schutz und Nutzung natürlicher Ressourcen, sowie die Anliegen von Bergregionen und deren Bevölkerung.
“Hans had the rare ability to combine intellectual rigor with deep empathy and practical wisdom.”
Sein enger Kontakt mit den lokalen Lebensrealitäten, unter anderem auch während der schweren Hungersnot von 1984, stärkten in ihm die Überzeugung, dass Entwicklungsforschung immer auch die Verbindung zur Entwicklungspraxis herstellen und sich dabei für mehr Gerechtigkeit innerhalb und zwischen Generationen einsetzen muss. Der Einsatz für konkrete Nachhaltigkeit wurde damit zu einem zentralen Leitmotiv, lange bevor der Begriff die internationale Bühne betrat. Seine Fähigkeit, Visionen in die Praxis umzusetzen, führte zu einem langfristigen nationalen Monitoring- und Umsetzungsprogramm zur Bodenkonservierung in Äthiopien, dessen Einfluss und Wirkung bis heute andauern. Mit seinem Engagement in der World Association of Soil and Water Conservation und seiner Tätigkeit als deren Präsident brachte er sein Anliegen zum Ausdruck, die verschiedenen Ebenen der Nachhaltigkeitsbemühungen – von der lokalen bis zur globalen Ebene – miteinander zu verknüpfen.
“Hans was far more than a director and pioneering scholar; he was a true friend, a guiding light, and a mentor.”
Ende der 1980er Jahre gründete Hans Hurni am Geographischen Institut der Universität Bern (GIUB) eine Forschungsgruppe, aus der später die Abteilung Centre for Development and Environment (CDE) des Instituts und 2010 das universitäre Zentrum gleichen Namens hervorging. Für Hans Hurni und das interdisziplinäre Team des CDE war Forschung nie Selbstzweck. Vielmehr orientierte sie sich an deren Entwicklungsrelevanz und beachtete stets dass der Bezug zwischen konkreten Lebenskontexten und globalen Ansprüchen nicht abbrach. Diese integrative Haltung in Verbindung mit starken persönlichen und institutionellen Partnerschaften ebnete den Weg für die Lancierung langfristiger Forschungs-, Umsetzungs- und Beratungsprogrammen im Bereich der nachhaltigen Entwicklung. Die Programme erforderten eine breit angelegte Zusammenarbeit zwischen unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen, zwischen dem globalen Norden und dem globalen Süden, sowie zwischen Wissenschaft, Gesellschaft und Politik. Mit seinen aussergewöhnlichen persönlichen Fähigkeiten, seiner hohen wissenschaftlichen und methodischen Kompetenz und seiner strategischen Weitsicht förderte und ermöglichte Hans Hurni diese Zusammenarbeit.
“What a good person, what a leader and an educator, a face of friendship and kindness.”
Diese Arbeit gipfelte im schweizerischen Nationalen Forschungsschwerpunkt Nord-Süd (NCCR North-South), der führende Schweizer Forschungseinrichtungen im Bereich der Entwicklungsforschung zusammenbrachte und mit zahlreichen Institutionen in neun Regionen aus 42 Ländern auf vier Kontinenten zusammenarbeitete. Unter der umsichtigen Leitung von Hans Hurni führten die 15 Jahre des NCCR North-South zu bedeutenden Forschungsresultaten und vielen konkreten Ergebnissen in der Entwicklungspraxis, in der Ausbildung und Nachwuchsförderung sowie in institutionellen Strukturen. Darüber hinaus förderten sie auch inter- und transdisziplinäre Methodenentwicklung und unterstrichen die Bedeutung echter kontextübergreifender Forschungspartnerschaften.
“Hans was truly a kind and great mentor for all of us in breaking our own silos to other disciplines.”
“To this day, I rarely give a lecture without drawing upon the invaluable resources and expertise of Hans.”
Hans Hurni verfasste über 200 wissenschaftliche Publikationen. Einige davon sind bis heute in der Nachhaltigkeitsforschung wegweisend und repräsentieren zusammengenommen einen integrativen und engagierten Ansatz in der Geografie und in der Entwicklungsforschung. Sein vielleicht wichtigstes Vermächtnis sind jedoch die unzähligen Menschen und Institutionen, die unter seiner Leitung oder an seiner Seite entscheidende Fortschritte auf dem Weg zu einer gerechteren und nachhaltigeren Welt erzielt haben. Dazu gehören Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Studierende aller Stufen, Entwicklungsexpertinnen, Techniker, lokale Gemeinschaften, Bäuerinnen und Bauern, Entscheidungsträger und auch Institutionen. Nachdem er 2016 emeritiert wurde, gab Hans Hurni Führungsansprüche und Einflussnahme bewusst auf, zog sich in sein Elternhaus im Simmental zurück und widmete sich seiner jungen Familie.
“Let’s celebrate his extraordinary life dedicated to science, knowledge, and people he cared so deeply about.”
“Now, more than ever, his reflections and contributions are very much needed.”
Als Kollege und Freund bin ich stolz und dankbar, dass ich mit Hans Hurni einen grossen Teil dieses Weges gemeinsam gehen durfte.
Urs Wiesmann
Zitate von Partnern aus Afrika, Asien und Lateinamerika