Schub für eine nachhaltige Zukunft

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Die Fülle von Krisen hat viele von uns gegen weitere Weltuntergangsmeldungen abgehärtet. Selbst die Jugend – viele unserer Studierenden eingeschlossen – scheint oft wie gelähmt zu sein bei dem blossen Gedanken an die Herausforderungen, denen wir gegenüberstehen. Und konkrete Vorstellungen davon, wie wir diese Welt wieder zu einem hoffnungsvolleren Ort machen können, scheinen uns zu entgleiten.

Wissenschaftler*innen haben eine noch nie dagewesene Menge an robusten, qualitativ hochwertigen Daten erhoben und daraus Wissen bereitgestellt, um Art und Ausmass unserer aktuellen Herausforderungen zu beschreiben, kausale Zusammenhänge zu beleuchten und Szenarien unter verschiedenen Bedingungen zu entwerfen. Sie haben kritische Schwellenwerte modelliert, sich am politischen Dialog beteiligt, und die Festlegung neuer globaler Zielsetzungen beratend unterstützt.

Bislang weniger im Fokus stand der Teil der Wissenschaftsgemeinschaft, der es sich zum Ziel gemacht hat, mit wissenschaftlichen Beiträgen die dringend benötigte Transformation anzukurbeln. Und zwar so, dass nicht nur das Schlimmste vermieden, sondern auch sichergestellt wird, dass alle gut leben können. Geleitet von den Erkenntnissen und dem Ansatz des Global Sustainable Development Report der UNO (GSDR 2019), will das CDE in Zusammenarbeit mit seinen Partnern in Afrika, Asien, Lateinamerika und Europa daher Wissen generieren, das sowohl in der Schweiz als auch auf globaler Ebene konkret zu transformativen Massnahmen in Richtung nachhaltiger Entwicklung beiträgt.

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Mit unserer neuen Strategie beabsichtigten wir, dazu beizutragen, drei grundlegende Herausforderungen zu bewältigen, mit denen alle konfrontiert sind, die an der Umsetzung der UN-Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung arbeiten:

Geschwindigkeit und Agilität

Wir müssen schneller und agiler werden, wenn es darum geht, konkrete Massnahmen für eine nachhaltige Entwicklung anzuregen. Als Wissenschaftler*innen sind wir gefordert, vorhandenes Wissen zu verdichten und zu bewerten und – was besonders wichtig ist: Wissen und Expertise aus nicht-akademischen Quellen in unsere Synthesen und Bewertungen einfliessen zu lassen.

Integration und Kohärenz

Nachhaltigkeits-Transformationen zielen darauf ab, den Fortschritt gleichzeitig in sozioökonomischen und ökologischen Bereichen voranzutreiben. Das CDE setzt sich dafür ein, die Wechselwirkungen zwischen verschiedenen, oft konkurrierenden Zieldimensionen zu berücksichtigen, um Co-Benefits zu stärken und Trade-offs zu minimieren. Deshalb wollen wir den Weg für dringend benötigte partnerschaftliche, inter- und transdisziplinäre Ansätze ebnen.

Solidarität und Partnerschaften

Die Wissenschaftsgemeinschaft hat die Chance, transnationale Partnerschaften für den Wandel in Richtung nachhaltige Entwicklung anzustossen. Das CDE wird sich weiterhin für die individuelle und institutionelle Entwicklung von Kompetenzen mit zukunftsgerichteten Forschungs- und Bildungspartnerschaften einsetzen – insbesondere mit dem globalen Süden. Nicht zuletzt verbinden wir dies mit dem Anspruch, dass solche Partnerschaften weltweit Teil des bildungs- und wissenschaftspolitischen Mainstreams werden.

Mit der Strategie 2021-2024 will das CDE sein Engagement für eine transformative Wissenschaft ausbauen und konkretisieren. Das Herzstück dieser Strategie ist eine ausgearbeitete Theorie des Wandels (Theory of Change): Sie kombiniert die Aktivitäten des CDE mit gezielten Hebeln für den Wandel in spezifischen Bereichen; und sie umfasst sowohl unsere Vorstellungen über die Wege zur Transformation als auch die Massstäbe, an denen wir uns messen lassen wollen.

Als engagierte Wissenschaftler*innen und Bürger*innen – die das Privileg haben, an Lösungen für aktuelle Krisen zu arbeiten – verleihen wir durch die neue Strategie unserem Engagement Ausdruck, substanzielle Beiträge zu einem Wandel beizusteuern, der eine nachhaltige Zukunft für alle zu sichern vermag.

Unser Ansatz für die Transformation


Für die internationale Gemeinschaft ist das aktuelle Jahrzehnt entscheidend, um sich in einer breit angelegten Initiative für ökologische und soziale Gerechtigkeit zu engagieren, mit dem Ziel, die nicht nachhaltige Entwicklung einzudämmen und die Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) zu erreichen.

Unser Engagement für die Umsetzung der Agenda 2030 und deren stark miteinander verwobenen Ziele sind in unserer Theorie des Wandels systematisch dargestellt (siehe Abbildung). Unser wissenschaftlicher Ansatz, Transformationen anzustossen, beruht auf konkreten Wirkungshypothesen.

Die vier sektorübergreifenden Bereiche, die wir in den Jahren 2021-2024 beeinflussen wollen, sind:

  • nachhaltige Landnutzungssysteme (sustainable land systems)
  • gerechte Wirtschaftssysteme und menschliches Wohlbefinden
  • Nachhaltigkeits-Gouvernanz
  • transformative Bildung und Wissenschaft.
CDEs Theory of Change


Unsere Aktivitäten in Kürze:

  1. Wissenschaftlich fundierter Erkenntnisgewinn im umfassenden Gebiet der Nachhaltigkeitswissenschaften;
  2. Bildungsprogramme von der Graduierten- bis zur Postgraduiertenebene, einschliesslich weiterführender Nachdiplomstudien;
  3. Langfristiges Engagement in internationalen Partnernetzwerken;
  4. Massgeschneiderter Austausch und unterstützende Lernformate für die Ko-Kreation von akademischem und nicht-akademischem Wissen (Transdisziplinarität).
Photo: shutterstock.com/AlexLMX
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Die Erreichung der Ziele in den vier definierten Wirkungsbereichen nachhaltige Landnutzungssysteme, gerechte Wirtschaftssysteme und menschliches Wohlbefinden, Nachhaltigkeits-Gouvernanz sowie transformative Bildung und Wissenschaft hängt von vielen kontextspezifischen Dynamiken, externen Faktoren sowie den Interessen und der Einflussstärke der verschiedenen Gruppen von Akteuren ab. Wir streben Wirkung an, indem wir sechs Hebel der Veränderung fördern:

Wissensbasierte Entscheidungen

Die Aktivitäten des CDE schaffen wissenschaftlich stichhaltiges und gesellschaftlich robustes Wissen, das in Handlungen und Entscheidungen einfliesst.

Soziale und technologische Innovationen

Das Engagement des CDE trägt zu innovativen sozialen Handlungsweisen und einer grösseren Übereinstimmung zwischen technologischer Entwicklung und menschlichen Bedürfnissen bei.

Wegbereiter*innen für den Wandel (Change Agents)

Das CDE ermöglicht und/oder befähigt andere Personen oder Organisationen dazu, u.a. durch Wissensvermittlung, Empathie und umsichtiges Führungsverhalten (servant leadership) zu Entscheidungsfindung, Innovation, Problemlösung, Verhandlung, Mediation und Konsensbildung zu gelangen.

Transformative Kompetenz

Die Arbeit des CDE stärkt die Fähigkeiten von Individuen und der Gesellschaft als Ganzes, auf Informationen über gesellschaftliche Veränderungen zuzugreifen, diese interpretieren und nutzen sowie sich konstruktiv an Aushandlungsprozessen beteiligen zu können.

Communities of practice

Das Engagement des CDE inspiriert Gruppen, die sich durch koordiniertes Vorgehen und kollektives Handeln für den Wandel zur nachhaltigen Entwicklung einsetzen.

Öffentliche Debatten

Die Arbeit des CDE fördert die demokratische, integrative Entscheidungsfindung in wichtigen Debatten auf der Grundlage von evidenzbasierten Argumenten.

Die beschriebenen Aktivitäten des CDE geben Impulse und unterstützen die beschriebenen Hebelwirkungen. Zusammengenommen ergeben sich aus unseren Aktivitäten und den Hebeln für den Wandel vier verschiedene Wirkungsbereiche.


Das CDE will Transformationen in vier Wirkungsbereichen voranbringen, beeinflussen und unterstützen:

  • gerechte Wirtschaftssysteme und menschliches Wohlbefinden
  • nachhaltige Landnutzungssysteme
  • Nachhaltigkeits-Gouvernanz
  • transformative Bildung und Wissenschaft

Gerade die Nachhaltigkeits-Gouvernanz sowie die transformative Bildung und Wissenschaft sind sowohl Wirkungsbereiche als auch Hebel, um Fortschritte punkto nachhaltiger Landnutzungssysteme, gerechter Wirtschaftssysteme und menschlichem Wohlbefinden zu ermöglichen.

Gerechte Wirtschaftssysteme und menschliches Wohlbefinden

Gerechte Wirtschaftssysteme sind nicht Selbstzweck, sondern dienen als Mittel, um das menschliche Wohlergehen zu verbessern und soziale Gerechtigkeit für alle zu ermöglichen. Deshalb stehen wir vor der grossen Herausforderung, im globalen Norden und im globalen Süden unterschiedliche Entwicklungswege einschlagen zu müssen. Entwicklungen, die das Wohlstandsziel und die Grenzen der Umweltbelastbarkeit in Einklang bringen. Das CDE leistet einen konkreten Beitrag zu diesem Ziel, indem es ein neues Verständnis von Wohlstand, Reichtum und Wohlergehen anregt und Initiativen für ressourcenschonendes Wirtschaften evaluiert, fördert und unterstützt.

Foto: Albrecht Ehrensperger


Nachhaltige Landnutzungssysteme

Land ist ein entscheidender Faktor dafür, ob und wie sich konkurrierende Prioritäten und widersprüchliche Ziele der nachhaltigen Entwicklungen unter einen Hut bringen lassen. Die Art, wie wir Landressourcen und Ökosysteme nutzen, wird unsere Fähigkeit erheblich beeinflussen, die in der Agenda 2030 dargestellten Herausforderungen zu meistern. Das CDE engagiert sich für den Wandel hin zu einer nachhaltigen Landnutzung und Landbewirtschaftung; diese sollen eine gesunde Ressourcenbasis bieten, um die Lebensgrundlagen in multifunktionalen Landschaftsräumen zu sichern.

Foto: Hanspeter Liniger


Nachhaltigkeits-Gouvernanz

Der Wandel hin zu gerechten Wirtschaftssystemen, nachhaltigen Landnutzungs- und ganzheitlichen Wissenssystemen hängt von einer guten Regierungsführung und integrationsfähigen Institutionen ab. Gouvernanz umfasst die Prozesse, mit denen die Akteure Regeln, Normen und Strategien gestalten, anwenden, interpretieren und reformieren, welche die Entscheidungsfindung beeinflussen. Der Umgang mit asymmetrischen Machtstrukturen und dem ungleichen Wissen über Gouvernanzprozesse ist dabei von entscheidender Bedeutung. Gouvernanz auf eine nachhaltige Entwicklung auszurichten – mithin Nachhaltigkeits-Gouvernanz – ist sowohl ein Ziel an sich als auch ein Hebel für systemische Transformationen.

Foto: Julie Zähringer


Transformative Bildung und Wissenschaft

Um die Transformation für eine nachhaltige Entwicklung zu unterstützen, müssen Wissenschaft und Hochschulbildung in einen realen Kontext eingebettet sein und mit gesellschaftlichen Akteuren zusammenarbeiten. Gemeinsam mit seinen regionalen Partnern sowie den Mitarbeitenden der Universität Bern verfolgt das CDE das Ziel, deutliche Fortschritte bei der Förderung von transformativen Lernprozessen und der Entwicklung von den dafür nötigen Gestaltungsspielräumen zu machen.  Parallel dazu unterstützen wir den entsprechenden institutionellen und politischen Wandel in der Hochschulbildung und Wissenschaft. Dabei orientieren wir uns am «Rahmen für die Umsetzung der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) nach 2019» der UNESCO.

Foto: Bishal Bhandari