«Land wiederherstellen bedeutet Hoffnung wiederherstellen»

Landdegradation wird oft anhand von Daten, Karten und globalen Indikatoren beschrieben. Im Vorfeld der UNCCD COP17-Konferenz im August zeigt Ingrid Teich, Wissenschaftlerin am CDE und WOCAT und internationale Expertin für Landdegradationsneutralität, auf, warum es so wichtig ist, klar zu vermitteln, was Landdegradation für die Menschen und ihr Leben bedeutet.

Ingrid Teich
«Hoffnung wiederherstellen heisst zeigen, dass positive Veränderungen möglich sind»: Ingrid Teich. Foto: CDE


Interview: Gaby Allheilig

Die Vertragsstaatenkonferenz COP17 der Rio-Konvention zur Bekämpfung der Desertifikation (UNCCD) vom 17. bis 28. August 2026 steht unter dem Motto «Restoring Land. Restoring Hope.» Was bedeutet «Hoffnung wiederherstellen» in diesem Zusammenhang?

Das Motto bringt etwas auf den Punkt, das die UNCCD innerhalb der drei Rio-Konventionen einzigartig macht. Zwar verfolgen alle drei Konventionen letztlich das Ziel, das Leben der Menschen zu verbessern, doch die UNCCD stellt die Menschen und ihre Lebensgrundlagen besonders deutlich in den Mittelpunkt.

Land ist nicht einfach nur Boden oder ein Produktionsfaktor – es ist ein ganzheitliches Konzept. Land ist unsere Heimat. Auf ihm bauen wir unsere Nahrungsmittel an, auf ihm leben wir unsere Kultur und bewahren unser Erbe. Gesundes Land ist eng mit dem Schutz der Artenvielfalt, dem Wasserhaushalt und widerstandsfähigen Gemeinschaften verbunden. Wenn wir Land wiederherstellen, geben wir den Menschen auch Hoffnung zurück – auf Chancen, Wohlbefinden, Sicherheit und Würde.

______________________________________________________________________________________

«Hoffnung wiederherstellen, ist nicht einfach Optimismus. Sie ist Zuversicht, die auf echten Ergebnissen beruht»

______________________________________________________________________________________

Mich persönlich bringt das Wort «Hoffnung» dazu, über unsere heutige Zeit nachzudenken, in der falsche Informationen, negative Nachrichten und viel Marketing uns leicht zynisch stimmen können. Hoffnung wiederherstellen, bedeutet zu zeigen, dass positive Veränderungen möglich sind – vor allem für junge Menschen. Jeder wiederhergestellte Hektar Land, jede Bäuerin und jeder Bauer, deren beziehungsweise dessen Land sich wieder produktiv nutzen lässt, jede Gemeinschaft, die widerstandsfähiger wird, erinnert uns daran, dass unser Handeln zählt. Hoffnung ist nicht einfach Optimismus – sie ist Zuversicht, die auf konkreten Ergebnissen beruht. Ich denke, genau das versucht die UNCCD zu erreichen.

In den letzten Jahren haben Sie gemeinsam mit dem WOCAT-Team die Landdegradation in vielen Ländern erfasst und kartiert. Wie kann Monitoring über die reine Messung des Ausmasses an Landdegradation hinausgehen und auch qualitative Aspekte wie Biodiversität, Bodenfruchtbarkeit und Wasserkreisläufe einschliessen?

Das ist eine der grössten Herausforderungen beim Monitoring von Landdegradation. Wie Land selbst ist auch die Landdegradation ein ganzheitliches Konzept. Sie hat viele verschiedene Ursachen und Auswirkungen – und ob Land als degradiert gilt, hängt oft davon ab, wie Menschen es wahrnehmen und was sie von ihm erwarten.

___________________________________________________________________

«Landdegradation ist ein Prozess, keine Momentaufnahme»

___________________________________________________________________

Hinzu kommt, dass Landdegradation sowohl lokale als auch überregionale Auswirkungen hat. Degradation in Bergregionen kann beispielsweise schwerwiegende Folgen für tiefer gelegene Gebiete haben. Ausserdem ist Landdegradation ein Prozess, keine Momentaufnahme. Um den Zustand von Land zu beurteilen, müssen Veränderungen über längere Zeiträume beobachtet und verschiedene Informationsquellen miteinander kombiniert werden. Darum ist es so wichtig, Monitoringsysteme gemeinsam mit lokalen und nationalen Expert*innen sowie den Landnutzer*innen zu entwickeln und sie auf den jeweiligen Kontext zuzuschneiden.

Durch die Kombination von Erdbeobachtungsdaten mit lokalem Wissen und Erkenntnissen aus Felderhebungen können wir Monitoringsysteme aufbauen, die wissenschaftlich fundiert und lokal relevant sind und die es ermöglichen, die vielfältigen Dimensionen von Landdegradation und -wiederherstellung abzubilden.

Die Ursachen für Degradation sind je nach Land und Region sehr unterschiedlich: Im Sahel sind es vor allem Übernutzung, Klimawandel und Bevölkerungswachstum; in Südamerika sind es Entwaldung, riesige Monokulturen und Viehzucht; und in Mitteleuropa ist die Bodenversiegelung ein wesentlicher Treiber. Wie lassen sich so unterschiedliche Realitäten sinnvoll miteinander vergleichen?

Gerade die Vielfalt der Ursachen ist einer der Gründe, warum es keinen allgemeingültigen Ansatz für das Monitoring von Landdegradation geben kann. Wir können nicht erwarten, dass ein einzelner Indikator oder eine global einheitliche und voll standardisierte Methode überall aussagekräftige Ergebnisse liefert.

______________________________________________________________________________________

«Die Herausforderung ist, ein Gleichgewicht zwischen Standardisierung und Aussagekraft zu finden»

______________________________________________________________________________________

Deshalb besteht die eigentliche Herausforderung darin, ein Gleichgewicht zwischen Standardisierung und Vergleichbarkeit einerseits und Repräsentativität und Aussagekraft andererseits zu finden. Es gibt Indikatoren, die sich auf verschiedene Arten berechnen lassen, und am Schluss trotzdem vergleichbare Ergebnisse liefern – zum Beispiel der Anteil degradierter Flächen an der gesamten Landesfläche, der als Indikator 15.3.1 der Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) verwendet wird.

Warum ist Vergleichbarkeit überhaupt so wichtig?

Genau hier hatte das Monitoring der Landdegradation in der Vergangenheit grosse Schwierigkeiten. Natürlich sind globale Schätzungen zur Landdegradation wichtig, und wir müssen Hotspots und Trends identifizieren können, um politische Entscheidungen zu unterstützen und Investitionen gezielt zu lenken. Wenn Vergleichbarkeit jedoch zulasten der Genauigkeit geht, erhält man möglicherweise zwar perfekt vergleichbare Daten, die aber die tatsächlichen Verhältnisse nicht widerspiegeln. Das kann zu schlechten Entscheidungen und fehlgeleiteten politischen Massnahmen führen.

Und was tun Sie dagegen?

CDE und WOCAT haben dazu beigetragen, den Ansatz so zu gestalten und anzupassen, dass die Bewertungen mehr praktische Bedeutung erhalten. Anders gesagt: Wir setzen uns dafür ein, dass das Monitoring des Zustands von Land die Realität vor Ort möglichst genau widerspiegelt. Unser Ziel ist es, einen gemeinsamen Nenner zu finden, bei dem der Mensch im Mittelpunkt steht: Vergleichbare Informationen sind zwar unverzichtbar, sollten aber nie auf Kosten der Genauigkeit oder den tatsächlichen Gegebenheiten in den einzelnen Ländern und Gemeinschaften gehen.

_____________________________________________________________________________________

«Respekt, besseres Wissen und Ownership machen partizipative Ansätze so wichtig»

_____________________________________________________________________________________

In einem neuen Projekt unterstützen Sie die Länder darin, partizipative Methoden für die Messung und das Monitoring der Landdegradation einzuführen – ebenso wie für die Planung und Umsetzung von Massnahmen gegen die Degradation. Warum legen Sie so grossen Wert darauf, dass die direkt Betroffenen schon bei Messung und Monitoring mit im Boot sind?

Der erste und wichtigste Grund ist meiner Ansicht nach Respekt. Das bedeutet, lokales Wissen und lokale Expertise anzuerkennen und wertzuschätzen. Landnutzer*innen, lokale Gemeinschaften, nationale Expert*innen und andere Akteure verfügen über ein tiefes Verständnis ihrer Landschaften, das auf vielen Jahren – oft sogar Generationen – praktischer Erfahrung beruht. Ein partizipativer Ansatz anerkennt, dass sie nicht einfach nur Empfänger*innen von Bewertungen der Landdegradation sind. Vielmehr sind sie die wichtigsten Wissensträger*innen, deren Sichtweisen für das Verständnis des Zustands und der Dynamik von Land unabdingbar sind.

Der zweite Grund ist schlichtweg, dass Partizipation zu belastbareren und genaueren Ergebnissen führt. Ohne den Einbezug lokalen Wissens und lokaler Expertise würde man viele wichtige Informationen über lokale Degradationsprozesse, deren Ursachen und Wiederherstellungsmöglichkeiten übersehen.

Gibt es noch weitere Gründe?

Ja, der dritte Grund ist, dass es bei unserer Arbeit nicht nur darum geht, Karten oder Indikatoren zu erstellen. Der Bewertungsprozess selbst bietet die Gelegenheit, nationale und lokale Kapazitäten zu stärken, die Zusammenarbeit zwischen Institutionen und Akteur*innen zu fördern und Ownership – bzw. Identifikation – mit dem Prozess und seinen Ergebnissen aufzubauen.

Wenn Menschen aktiv an der Erarbeitung der Datengrundlage beteiligt sind, ist es wahrscheinlicher, dass sie den Ergebnissen vertrauen, diese bei der Planung und Entscheidfindung nutzen und die Umsetzung nachhaltiger Landbewirtschaftungspraktiken unterstützen. Für mich machen genau diese drei Aspekte – Respekt, besseres Wissen und Ownership – partizipative Ansätze so wichtig.

____________________________________________________________________________

«Beim Monitoring geht es nicht nur darum, Verschlechterungen zu dokumentieren, sondern auch Fortschritte zu erfassen»

____________________________________________________________________________

Sind die Länder überhaupt daran interessiert, solche Methoden anzuwenden?

Absolut. Viele Länder erkennen, dass es keine pfannenfertige Lösung gibt, die von aussen kommt. Sie sind sich auch vollkommen bewusst darüber, dass das Monitoring des Zustands von Land nicht nur die Verschlechterung, also Degradation, dokumentiert, sondern ebenso Fortschritte und Verbesserungen erfasst. Das hilft ihnen, Entscheidungen zu treffen, Investitionen zu priorisieren, Fortschritte zu verfolgen und positive Ergebnisse zu kommunizieren. Deshalb ist das Interesse gross.

Auf unseren jüngsten weltweiten Aufruf zur Beteiligung an dem neuen Projekt gingen innerhalb kurzer Zeit mehr als 70 Bewerbungen ein, besonders aus afrikanischen Ländern. Dabei handelte es sich um offizielle Eingaben, die von den nationalen UNCCD-Kontaktstellen unterstützt wurden. Das ist ein klares Zeichen für die starke Nachfrage nach praxisnahen, wissenschaftlich fundierten Methoden, die helfen können, die Landdegradationsneutralität umzusetzen.

Spannend an diesem Projekt ist auch, dass es nicht nur bestehende Methoden überträgt, sondern – zusammen mit den Ländern – die wissenschaftliche Entwicklung in Bereichen vorantreibt, in denen wichtige methodische Fragen noch ungelöst sind.

70 Länder haben sich beworben – was ist mit den anderen?

Es konnten sich nur Länder bewerben, die für eine Förderung durch die GEF – den multilateralen Fonds zum Schutz der globalen Umwelt – in Frage kommen. Wenn wir aber das Interesse der Länder an der Bewertung von Landdegradation verstehen wollen, ist es aussagekräftiger, wenn wir schauen, welche Staaten sich aktiv am UNCCD-Prozess beteiligen. Länder, die von Desertifikation oder – allgemeiner formuliert – von Landdegradation in Trockengebieten betroffen sind, engagieren sich traditionell bei der Berichterstattung im Rahmen der UNCCD am meisten. Doch degradiertes Land und das Ziel einer landdegradationsneutralen Welt bis 2030 gehen alle Länder etwas an, nicht nur jene, die offiziell als «betroffen» gelten.

__________________________________________________________________________________

«In unserer Welt muss langfristige Nachhaltigkeit oft hinter kurzfristigen Interessen zurückstehen»

__________________________________________________________________________________

Viele wohlhabende Länder berichten hier weitaus weniger konsequent als Staaten des Globalen Südens. Was bedeutet das für die Fortschritte bei der Landdegradationsneutralität?

Landdegradationsneutralität zu erreichen, erfordert eine globale Anstrengung. Eine stärkere Beteiligung aller Länder und Regionen würde nicht nur die Qualität und Vergleichbarkeit der Berichterstattung verbessern, sondern auch das kollektive Lernen beschleunigen und wirksamere Massnahmen ermöglichen, um die Landdegradation weltweit zu bekämpfen.

Jüngste Studien zeigen, dass mehr als 80 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen in der EU degradiert sind. Was müsste geschehen, dass Europa handelt?

Die Ergebnisse aktueller Untersuchungen, die das Ausmass der Bodendegradation in Europa aufzeigen, sind in der Tat äusserst besorgniserregend. Die wissenschaftlichen Belege sind da. Die Daten liegen vor. Die Auswirkungen sind sichtbar. Die entscheidende Frage lautet daher nicht, ob das Problem existiert, sondern wie diese Erkenntnisse in politische Dringlichkeit und koordiniertes Handeln übersetzt werden. Das gilt übrigens nicht nur für Landdegradation. Wir leben in einer Welt, in der langfristige Nachhaltigkeit oft hinter kurzfristigen Interessen zurückstehen muss.

Ein weiteres Problem ist die öffentliche Wahrnehmung. Land ist zwar die Grundlage unsers Lebens. Trotzdem ist die UNCCD in der Öffentlichkeit und Medienberichterstattung deutlich weniger sichtbar und erhält auch weniger finanzielle Unterstützung als die beiden anderen Rio-Konventionen – auch wenn Land eine zentrale Rolle für die Ziele der Klima- und der Biodiversitätskonvention spielt.

Wegen seiner enormen Bedeutung ist Land auch eng mit vielen wirtschaftlichen und politischen Interessen verknüpft. Das kann Entscheidungsprozesse zusätzlich erschweren. Letztlich gilt aber: Je länger Massnahmen hinausgezögert werden, desto höher werden sowohl die ökologischen als auch die wirtschaftlichen Kosten.

___________________________________________________________

«Land ist an Orte, Menschen und Rechte gebunden»

___________________________________________________________

Je besser wir die Landdegradation messen können, desto einfacher könnte es werden, Verluste an einem Ort anderswo zu kompensieren. Steigt damit das Risiko, dass zusätzlicher Druck auf die Flächen von Kleinbauernfamilien und indigenen Völkern entsteht?

Diese Sorge ist berechtigt. Diese Herausforderung wird jedoch im Rahmen des Konzepts der Landdegradationsneutralität mit 19 Leitprinzipien ausdrücklich angegangen. Sie sollen genau solche unbeabsichtigten Folgen verhindern – und eines der zentralen Elemente ist die Sicherung von Landrechten. Ausgleichsmassnahmen, die die Rechte von Landnutzer*innen – gerade von kleinbäuerlichen Betrieben und indigenen Gemeinschaften – untergraben, würden diesen Grundsätzen fundamental widersprechen. Die Prinzipien stellen zudem klar, dass jeglicher Ausgleich so weit als möglich innerhalb desselben Landtyps erfolgen muss. Das schränkt die Möglichkeit grundlegend ein, den Druck auf andere oder besonders empfindliche Landnutzungssysteme zu verlagern. Ebenso wichtig ist die räumliche Kohärenz bei der Umsetzung.

Das heisst?

Dass Kompensationen nicht beliebig auf andere Regionen oder Landnutzungssysteme überwälzt werden können. Sie müssen in Planungsrahmen eingebettet bleiben, die reale biophysikalische und administrative Einheiten darstellen, in denen Entscheidungen zur Landnutzung getroffen werden. Mit anderen Worten: Man kann Landdegradation in einem Land nicht kompensieren, indem man in einem anderen Land Flächen wiederherstellt. Das ist nicht wie bei den Kohlenstoffmärkten, wo Emissionszertifikate international gehandelt werden können. Land unterscheidet sich fundamental davon. Es ist an Orte, Menschen und Rechte gebunden.

Sie sind Mitglied der internationalen Arbeitsgruppe der UNCCD zur künftigen Strategie. Die Gruppe soll die Grundlagen für die Zeit nach 2030 erarbeiten. Gibt es bereits Hinweise, worauf der Schwerpunkt künftig liegen wird?

Die Gruppe hat einen Bericht erstellt, der die Schlüsselelemente und eine Vision für die Strategie aufzeigt – mit dem Menschen im Mittelpunkt. Es ist die Vision einer Welt, in der gesundes und nachhaltig bewirtschaftetes Land das menschliche Wohlergehen und die Ernährungssicherheit verbessert, wichtige Ökosystemleistungen stärkt und Gesellschaften dabei hilft, mit Dürren und anderen steigenden Belastungen umzugehen, die Land betreffen.

Der Bericht macht zudem deutlich, dass künftig sowohl Gewinne als auch Verluste von allem, was die Natur bietet, besser abgebildet werden sollten. Gleichzeitig sollen die Länder den Rahmen flexibel an ihre jeweiligen nationalen Gegebenheiten, Prioritäten sowie an indigenes und traditionelles Wissen anpassen – und dabei ihre nationale Datenhoheit wahren können. Diese Vorschläge werden an der COP17 vorgestellt. Dort werden die Regierungen schliesslich über die weitere Ausrichtung des strategischen Rahmens beraten und entscheiden.

_________________________________________________________________________________

«Es besteht eindeutig Bedarf an mehr Wissenschaftler*innen, die sich in politische Prozesse einbringen»

_________________________________________________________________________________

In Ihrer Arbeit geht es zu einem grossen Teil darum, neue Erkenntnisse und Methoden in die Praxis zu übertragen. Warum arbeiten Sie an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft, internationalen Organisationen und Politik?

(lacht) Weil es mir Spass macht. Ehrlich gesagt denke ich, dass Neugier und ein starkes Interesse am Systemdenken ein wesentlicher Grund dafür sind. Landdegradation, Nachhaltigkeit und Entscheidungsprozesse sind von Natur aus komplexe Themen. Sie lassen sich weder aus einer einzigen wissenschaftlichen Disziplin noch aus der Perspektive einer einzelnen Institution verstehen. Die Arbeit an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft, internationalen Organisationen und Politik bietet die Möglichkeit, über die Theorie hinauszugehen und wissenschaftliche Erkenntnisse in realen Zusammenhängen anzuwenden – dort, wo sie direkt in Entscheidungen, Strategien und Investitionen einfliessen können. Umgekehrt hilft die Zusammenarbeit mit Politik und Praxis auch, neue Forschungsfragen zu entwickeln, die sich stärker an den tatsächlichen Herausforderungen orientieren und somit begründeter und nützlicher sind.

Arbeitet die Wissenschaft auf globaler Ebene genug mit der Politik zusammen?

Es besteht eindeutig Bedarf an mehr Wissenschaftler*innen, die sich in politische Prozesse einbringen – Fachleute, die sowohl die wissenschaftlich-technischen Grundlagen als auch die Realität politischer Entscheidungsprozesse und praktischer Umsetzung verstehen. Natürlich ist das anspruchsvoll. Aber es ist sehr erfüllend, zu fundierteren, evidenzbasierten Entscheidungen beizutragen.