Wissenschaft durch die Linse

Unsere Online-Wechselausstellung zeigt Bilder aus Forschungsaufenthalten, Illustrationen über eine wenig bekannte Realität der Wissenschaft oder Videos – immer mit Bezug zu einer kleinen Geschichte über Nachhaltigkeit und nachhaltige Entwicklung. Zur Zeit:

Viehhaltung in Tansania: das Wachstum der Regenzeit konservieren

Infolge des Bevölkerungswachstums sowie knapp werdenden Wasser- und Landressourcen geraten Wildtiere und menschliche Interessen vielerorts in Afrika zunehmend in Konflikt. Einer der Hotspots ist der Bezirk Mlele im Westen Tansanias. Er liegt mitten in Schutzgebieten – und Teile der Bevölkerung der umliegenden Dörfer leben von Rinderhaltung. Eine Möglichkeit, um Konflikte zwischen Mensch und Wildtieren zu entschärfen, ist die Produktion von Silage für die Tierfütterung.

Jonas Chastonay, CDE

A herd of cattle on an agro-pastoral farm near Inyonga, Mlele District, Tanzania
Rinderherde auf einer agro-pastoralen Farm in der Nähe von Inyonga, Bezirk Mlele, Tansania.
Drei Rinder an einem Futtertrog
Die Tiere werden ganzjährig auf dem Hof gehalten und gefüttert, damit sie nicht auf weiter entfernte Weiden getrieben werden müssen.

Weiden in Schutzgebieten führen zu Konflikten

Rund 40 Prozent der Landfläche Tansanias steht in irgendeiner Form unter Schutz. In diesen Gebieten ist das Weiden von Nutztieren verboten – und die Strafen bei Zuwiderhandlung sind erheblich: So kassierte etwa im Februar 2025 ein Viehhalter eine Geldstrafe von über 20 Millionen tansanischen Schilling – etwas mehr als CHF 6000 –, weil er seine Tiere innerhalb einer Schutzzone weidete. Neben rechtlichen Risiken laufen die Tierhalter*innen zudem Gefahr, dass Prädatoren wie Löwen, Leoparden und Hyänen ihre Weidetiere angreifen.

Einer der Hauptgründe für die Beweidung von Schutzgebieten ist das rasche Bevölkerungswachstum: In der Region Katavi, in der der Bezirk Mlele liegt, stieg die Zahl der Einwohner*innen von 564’604 im Jahr 2012 auf 1'152’958 im Jahr 2022, was einer jährlichen Wachstumsrate von 7,1 Prozent entspricht. Menschliche Siedlungen dringen deshalb immer mehr in Schutzgebiete vor, nicht zuletzt aus mangelnden Alternativen und Armut.

Doch der Weidedruck innerhalb von Schutzgebieten führt zu einer weiteren Verschlechterung des Lebensraums, verursacht Landdegradation und erhöht die Kosten für den Naturschutz – zusätzlich zu den sozialen Kosten.

Napiergras
Napiergras, eines der ertragreichsten Futtergräser der Tropen, auf einer Parzelle in der Nähe von Inyonga im Bezirk Mlele.

Fütterung der Herde vor Ort

Neben Abwehrstrategien gegen Wildtiere, der Einrichtung von effektiv funktionierenden Wildtierkorridoren, besseren Landnutzungsplanungen und weiteren Anpassungen, die diskutiert oder bereits umgesetzt werden, zeigt ein Beispiel, wie sich Konflikte zwischen Viehhalter*innen und Wildtieren zusätzlich entschärfen lassen: indem die Bauernfamilien möglichst ihr eigenes Futter anbauen.

Als Futterpflanze erweist sich Napiergras (Pennisetum purpureum), auch Elefantengras genannt, als besonders geeignet. Es wird auf kleinen bewässerten Parzellen angebaut, alle zwei bis drei Monate gemäht – und lässt sich, wie das Beispiel eines Bauern in Inyonga zeigt, mit Melasse aus einer nahegelegenen Zuckerrohrplantage als Silage konservieren. Zusammen mit anderem Futter wie Maisresten sorgt das gegärte Futter in diesem Fall für den Unterhalt einer Herde von 140 Rindern.

Mann schneidet Gras
Kurz vor der Blüte wird das Gras etwa 15 Zentimeter über dem Boden geschnitten. So kann es innerhalb von zwei bis drei Monaten wieder nachwachsen.
Man häkselt das mit einer Maschine
Das getrocknete Gras wird zerkleinert…
Gross Plastiksäcke
… und für die Gärung luftdicht verpackt.
Einfache Grube in der Erde
Ein Teil der Silage wird in einer Grube gelagert.

Futter für die Trockenzeit

Silage eignet sich besonders für die Trockenzeit, die durch wiederkehrende Dürren immer schwerer zu überbrücken ist. Sie konserviert das Wachstum der Regenzeit und wird dann verfüttert, wenn das Grünfutter auf den Weiden ab- und der Weidedruck auf die angrenzenden Schutzgebiete zunimmt. So kann die Herde das ganze Jahr über auf dem Hof bleiben.

Napiergras erreicht sein Ertragspotenzial jedoch nur unter Bewässerung. Der Bauer in Inyonga deckt diesen Bedarf derzeit über einen Tiefbrunnen, aus dem er das Wasser mit einem Dieselgenerator pumpt. Obwohl die Kosten für den Treibstoff nicht zu unterschätzen sind, berichtet der Bauer, dass er mit dem Silagesystem mehr Tiere halten kann, bessere Milcherträge und ein höheres Einkommen erzielt – und weitaus weniger Zeit damit verbringt, die Herde zu hüten.

Auch Konflikte um Land, insbesondere rund um die Schutzgebiete, haben sich entschärft: Die Rinder betreten sie nicht mehr.